Ehemalige Sprecher

Prof. Dr. P. Sakdapolrak (2016 – 2022)

Prof. Dr. med. Thomas Kistemann M.A. (*1961) wuchs in Aachen auf. Nach dem Abitur studierte er zunächst mit Magister Artium-Abschluss Geographie, Klassische Philologie und Pädagogische Psychologie an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn (1981-1988), ab 1983 zusätzlich Humanmedizin. Nach einem Wechsel an die Georg-August-Universität Göttingen legte er 1991 das medizinische Staatsexamen ab. Anschließend war er für zwei Jahre in der klinischen Medizin im Niemoeller-Krankenhaus in Bad Zwischenahn tätig, bevor er als Wissenschaftlicher Assistent des Hygiene-Instituts an die Universität Bonn zurückkehrte.

Bereits im Rahmen seines Bonner Geographiestudiums hatte Thomas Kistemann Berührung zu Themen der Medizinischen Geographie, unter anderem durch die Bevölkerungsgeographen Prof. Gerhard Aymans sowie Prof. Wolfgang Kuls, der an der 1972 publizierten Medizinischen Länderkunde Äthiopiens der Geomedizinischen Forschungsstelle in Heidelberg mitgewirkt hatte. Am Lehrstuhl von Prof. Wilhelm Lauer, dem Nachfolger von Prof. Carl Troll, war zudem das Thema Medizinische Geographie, als Echo auf frühere Arbeiten, unter anderem zur physischen Anthropogeographie (Karlheinz Paffen) sowie Verbindungen zur Heidelberger Geomedizinischen Forschungsstelle, präsent.

1993 wurde Thomas Kistemann mit einer umwelthygienischen Arbeit zu Grundwasserverunreinigungen durch leichtflüchtige halogenorganische Verbindungen bei dem Umweltchemiker Prof. Heinz-Friedrich Schöler am Hygiene-Institut der Universität Bonn in Medizin promoviert. Dabei nutzte er unter anderem geostatistische Verfahren sowie ein geographisches Informationssystem und stellte seine Ergebnisse in einen gesundheitsökologischen, medizinisch-geographischen Kontext.

1995 wurde er gemeinsam mit Jürgen Schweikart (damals Universität Mannheim) und Harald Leisch (damals Universität Trier) zum Sprecher des AK Medizinische Geographie und Geomedizin gewählt, dem er bereits seit 1985 angehörte. Eines seiner frühen Anliegen in dieser Funktion war die Aufarbeitung des Verhältnisses zum Nationalsozialismus, was unter anderem die Aufgabe der nationalsozialistisch instrumentalisierten Bezeichnung „Geomedizin“ zur Folge hatte.

Am Institut für Hygiene und Public Health (IHPH) qualifizierte er sich 1997 zum Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin und übernahm 2001 als stellvertretender Institutsdirektor die Einrichtung und Leitung des WHO Kollaborationszentrums für Wassermanagement und Risikokommunikation zur Förderung der Gesundheit. Im Jahr 2002 habilitierte er sich an der Medizinischen Fakultät mit einer medizinisch-geographischen Arbeit zum Nutzen von Geographischen Informationssystemen für Public Health und erhielt die Venia Legendi für Hygiene, Umweltmedizin und Medizinische Geographie.

Seit 1997 hatte er begonnen, am IHPH eine Arbeitsgruppe Medizinische Geographie aufzubauen, für die er 2010 die Bezeichnung GeoHealth Centre (GHC) etablierte. In mehreren Forschungssträngen beschäftigt sich das GHC mit der Rolle und Bedeutung von Wasser für die menschliche Gesundheit, mit räumlicher Versorgungsforschung sowie mit der Bedeutung von places für gesundheitliches Wohlbefinden und deckt damit ein breites Spektrum der geographischen Gesundheitsforschung ab. Im Jahr 2025 übergab er die Leitung des GeoHealth Centre an PD Dr. Timo Falkenberg. Er ist als Senior Fellow weiterhin in der Arbeitsgruppe tätig.

Im Jahr 2003 wurde Thomas Kistemann kooptiertes Mitglied der Mathematisch-Naturwissenschaft­lichen Fakultät (Fachgruppe Erdwissenschaften); 2008 wurde er zum apl. Professor für Hygiene, Umweltmedizin und Medizinische Geographie der Universität Bonn ernannt. Am Geographischen Institut etablierte er ein kontinuierliches, interdisziplinäres Lehrangebot in Medizinischer Geographie. Im Fachgebiet Medizinische Geographie betreute Thomas Kistemann unter anderem über 30 medizinische, natur- bzw. agrarwissenschaftliche Dissertationen und begleitet(e) als Fachvertreter drei Habilitationen.

Gemeinsam mit Jürgen Schweikart (Berlin) und Carsten Butsch (damals Köln) gründete er 2016 den Verein zur Förderung der Geographischen Gesundheitsforschung (vggf). Dieser hat inzwischen über 50 Mitglieder. Er veröffentlicht die Schriftenreihe Geographische Gesundheitsforschung, stellt alle zwei Jahre einen Förderpreis für studentische Abschlussarbeiten und unterstützt den AK Medizinische Geographie und Geographische Gesundheitsforschung in der Organisation von Veranstaltungen. Dazu zählt u. a. die Festveranstaltung zum 50jährigen Bestehen des Arbeitskreises, die 2022 in Bonn stattfand, und die alle zwei Jahre stattfindende Fachtagung Humboldtsteiner Tage in Remagen (bis 2020) bzw. Königswinter bei Bonn.

Prof. Dr. rer. nat. Jürgen Schweikart (*1956) absolvierte ein Studium der Mathematik und Geographie an den Universitäten Mainz und Heidelberg, welches er mit dem 1. Staatsexamen abschloss. Anschließend war er als Assistent am Lehrstuhl von Prof. Dr. Werner Fricke am Geographischen Institut der Universität Heidelberg tätig. In dieser Zeit kam Jürgen Schweikart erstmals mit dem Thema Medizinische Geographie in Kontakt. Prof. Fricke, der zu jener Zeit einer der Sprecher des Arbeitskreises Medizinische Geographie und Geomedizin war, unterstützte er bei der Vorbereitung von Veranstaltungen des Arbeitskreises und bei der regelmäßigen Publikation des AK-Mitteilungsblatts. Dadurch erlangte er umfassende Einblicke in dieses breite Forschungsfeld.

Der Kontakt zu Prof. Hans Jochen Diesfeld, dem damaligen Ärztlichen Direktor der Abteilung Tropenhygiene und Öffentliches Gesundheitswesen an der Universität Heidelberg, sowie zu dessen Mitarbeitern, weckte in Schweikart ein zunehmendes Interesse an Gesundheitsthemen, insbesondere mit einem regionalen Fokus auf Afrika. Dies führte Jürgen Schweikart 1988 erstmals nach Kamerun, ein Land, das er im Rahmen seiner Dissertation mehrmals besuchte und das seine Forschungsinteressen auch in späteren Jahren prägte.

Im Jahr 1991 wurde Jürgen Schweikart mit einer Dissertation zur Inanspruchnahme von Impfungen bei Kleinkindern in der Nord-West-Provinz Kameruns promoviert.

Nach seiner Promotion wechselte Jürgen Schweikart an das Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung der Universität Mannheim. Dort wandte er sich vor allem Fragen im sozialgeographischen Kontext zu, wobei die Entwicklung eines europäischen Sozialatlas eine zentrale Rolle spielte und die Möglichkeit bot, gesundheitsbezogene Themen zu integrieren.

Im Jahr 1995 wurde er gemeinsam mit Thomas Kistemann und Harald Leisch zum Sprecher des Arbeitskreises Medizinische Geographie und Geomedizin gewählt. Eine seiner ersten Aktivitäten in dieser Funktion war die Organisation einer zweitägigen Tagung im damaligen Seminarhaus der Universität Heidelberg, der früheren Villa von Caterina Valente in Oberlockenbach im Odenwald. Aus dieser Veranstaltung entwickelten die damaligen Sprecher das Format der dreitägigen Klausur-Tagung, die als Humboldtsteiner Tage bekannt wurde, und seither alle zwei Jahre stattfindet.

Im Jahr 1997 wurde Jürgen Schweikart an die Fachhochschule für Technik Berlin (heute: Berliner Hochschule für Technik) mit der Denomination Thematische Kartographie berufen. In dieser Funktion initiierte er zahlreiche Forschungsprojekte, die sich auf den Nutzen von Geoinformationssystemen im Gesundheitsbereich stützen. Zudem konnte er seine Forschungen in Afrika wieder aufnehmen und unternahm zahlreiche Reisen, oft gemeinsam mit Studierenden, in verschiedene afrikanische Länder. Dabei standen stets Fragestellungen aus der Medizinischen Geographie im Mittelpunkt.

Gemeinsam mit Thomas Kistemann (Bonn) und Carsten Butsch (damals Köln) initiirte Jürgen Schweikart im Jahr 2016 die Gründung des Verein zur Förderung der Geographischen Gesundheitsforschung. Der Verein zählt mittlerweile 50 Mitglieder und veröffentlicht die Schriftenreihe Geographische Gesundheitsforschung. Zudem lobt er alle zwei Jahre einen Förderpreis für studentische Abschlussarbeiten aus und unterstützt den Arbeitskreis Medizinische Geographie und Geographische Gesundheitsforschung bei der Organisation von Veranstaltungen. Zu diesen Veranstaltungen zählt unter anderem die Festveranstaltung zum 50-jährigen Bestehen des Arbeitskreises, die 2022 in Bonn stattfand, sowie die alle zwei Jahre stattfindende Fachtagung Humboldtsteiner Tage.

Dr. rer. nat. Harald Leisch (*1967) studierte an der Universität Trier Geographie, Politikwissenschaften und Soziologie und schloss das Studium 1991 mit dem Magister Artium ab. Von 1991 bis 1994 promovierte er ebenfalls an der Universität Trier über ein Thema im Bereich der Medizinischen Geographie in Nordthailand. Für die Dissertation erhielt er den von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) gestifteten Förderpreis für Nachwuchswissenschaftler auf dem Gebiet der Entwicklungsländerforschung, der von der Universität Gießen verliehen wurde.

1995 wurde er gemeinsam mit Jürgen Schweikart und Thomas Kistemann Sprecher des Arbeitskreises Medizinische Geographie und Geomedizin im VGDH. Während seiner Postdoc-Zeit an den Universitäten Trier, Bonn und Köln publizierte Leisch zum Teil auch gemeinsam mit Schweikart und Kistemann zu Themen der Medizinischen Geographie u.a. im Lexikon der Geographie und in der Geographischen Rundschau.

Wegen eines Habilitationsstipendiums der Deutschen Forschungsgemeinschaft ab Mitte 1999 und den damit verbundenen längeren Aufenthalten in Indonesien und einer thematischen Schwerpunktverlegung gab Harald Leisch die Sprecherschaft für den Arbeitskreis im Jahr 2000 auf. Von 2001 bis 2006 arbeitete Leisch als Koordinator in einem Sonderforschungsbereich der Universität Hohenheim in Hanoi, Vietnam.

2006 wechselte Harald Leisch in die Geschäftsstelle der Deutschen Forschungsgemeinschaft, wo er zunächst als Direktor in der Gruppe Internationale Zusammenarbeit für die Länder Süd- und Südostasiens zuständig war. Von 2008 bis 2011 war er zusätzlich an das Auswärtige Amt abgeordnet und von dort als Wissenschaftsreferent an die Deutsche Botschaft in Hanoi, Vietnam, entsandt.

Ab 2011 war er in der Geschäftsstelle der DFG als Programmdirektor in der Gruppe Physik, Mathematik, Geowissenschaften für die Fächer Atmosphärenforschung, Meeresforschung und Geographie zuständig. 2016 übernahm er die Leitung der neu gegründeten Gruppe Geowissenschaften.

Prof. Dr. Werner Fricke (1927 – 2020) wurde 1927 im heutigen Altentreptow in Mecklenburg-Vorpommern geboren. Ab 1947 studierte er an der Universität Greifswald Geographie, Geschichte, Geologie sowie Land- und Forstwirtschaft und war dort bis 1953 als wissenschaftlicher Assistent tätig. Im selben Jahr folgte er Anneliese Krenzlin nach Frankfurt, wo er durch den Einfluss von Wolfgang Hartke zur sozialgeographisch orientierenten Forschung und zum Thema der Suburbanisierung fand – ein Schwerpunkt, der ihn auch während seiner späteren Jahre in Heidelberg begleiten sollte.

Über viele Jahre hinweg baute er einen zweiten Schwerpunkt seiner wissenschaftlichen Arbeit in der Afrikaforschung auf. Mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) konnte Werner Fricke zunächst in Nigeria forschen und eine Habilitationsschrift über die natur- und sozialräumlichen Grundlagen der Rinderhaltung in Nordnigeria verfassen. Auch lange nach seiner Emeritierung ließ ihn Afrika nicht los.

Mit Beginn Wintersemester 1970/1971 bis einschließlich Sommersemester 1991 war Prof. Fricke Inhaber des Lehrstuhls für Anthropogeographie am Geographischen Institut der Universität Heidelberg. In den 1970er Jahren bearbeitete er die Stadtregion Rhein-Neckar. Ab 1988 beteiligte er sich im Sonderforschungsbereich Kulturentwicklung und Sprachgeschichte im Naturraum der Westafrikanischen Savanne an der Universität Frankfurt. Durch seine Interessen und Erfahrungen auf dem afrikanischen Kontinent trug er wertvoll zum Afrika-Kartenwerk bei, einem DFG-Projekt, an dem er über viele Jahre mitwirkte.

Die Themen der Medizinischen Geographie waren Werner Fricke durch seine engen Kontakte zu den Kolleginnen und Kollegen der Geomedizinischen Forschungsstelle der Heidelberger Akademie der Wissenschaften sowie dem Institut für Tropenhygiene und Öffentliches Gesundheitswesen am Südasien-Institut der Universität Heidelberg bestens vertraut.

Von 1983 bis 1995 fungierte Werner Fricke gemeinsam mit dem Biologen Erhard Hinz als Sprecher des Arbeitskreises für Medizinische Geographie und Geomedizin im Zentralverband der deutschen Geographen. In dieser Rolle brachte er seine geographischen Erklärungsansätze gezielt in die medizin-geographische Forschung ein und verfolgte stets einen integrativen, ganzheitlichen Ansatz. Schon früh wies er auf die Einschränkung der konventionellen Unterscheidung zwischen Geomedizin und Geographischer Medizin hin und regte an, stattdessen von einer „Geographie der Gesundheit“ zu sprechen, in Anlehnung an den anglophonen Raum.

In seine Amtszeit als Sprecher des Arbeitskreises fiel die deutsche Wiedervereinigung, die Möglichkeiten für eine Kooperation mit dem DDR-Arbeitskreis für Medizinische Geographie eröffnete. Über dessen Sprecher, Dr. W. Mey, gelang es, eine Verbindung zum Büro für Sozialhygiene in Suhl herzustellen, mit der Aussicht auf eine Fusion beider Arbeitskreise und erweiterte Perspektiven für die medizin-geographische Forschung. Der Erhalt der umfangreichen Gesundheitsdaten der DDR-Bezirksregierungen, die wertvolle Einblicke in die regionale Verteilung von Morbidität und Mortalität ermöglichen, wäre dabei besonders bedeutsam gewesen. Leider konnten diese Erwartungen nicht wie geplant realisiert werden.

An die Tradition der in dieser Zeit üblichen Kommunikation knüpfte er während seiner Amtszeit als Sprecher an, indem regelmäßig das Mitteilungsblatt des Arbeitskreises erschien, zunächst unter der Schriftleitung von Frau Hella Wellmer und später fortgeführt durch Herrn Jürgen Schweikart. Es dokumentierte die Aktivitäten und Entwicklungen des Arbeitskreises. Werner Fricke veröffentlichte außerdem mehrere Sammelbände, in denen zahlreiche Vorträge aus den Arbeitskreissitzungen der Deutschen Geographentage sowie aus veranstalteten Symposien publiziert wurden.

Der umfassende geografische Forschungsansatz von Werner Fricke, stets in historische Kontexte eingebettet, leistet einen wesentlichen Beitrag zur methodischen und wissenschaftlichen Verortung der Medizinischen Geographie.

Werner Fricke starb 2020 kurz vor seinem 93. Geburtstag in Heidelberg.

Prof. Dr. Erhard Hinz (1931 – 2023) wurde 15.06.1931 in Altdamm in der preußischen Provinz Pommern (heute Dąbie, ein Stadtteil der polnischen Großstadt Szczecin/Stettin) geboren. Nach dem Abitur in Brandenburg an der Havel in der damaligen DDR studierte er 1950-1952 Biologie an der an der 1948 neu gegründeten Brandenburgischen Landeshochschule in Potsdam. Im Jahr 1952 siedelte er in die Bundesrepublik Deutschland über und setzte sein Studium der Biologie an der Wilhelms-Universität Münster fort. Dort wurde er 1960 mit einer helminthologischen Arbeit promoviert. Anschließend war er für vier Jahre in der westdeutschen pharmazeutischen Industrie tätig.

Im Jahr 1964 wechselte Erhard Hinz an das von Helmut Jusatz geleitete Institut für Tropenhygiene und Öffentliches Gesundheitswesen am Südasien-Institut der Universität Heidelberg. Nach seiner Habilitation wurde er 1974 zum Professor berufen. Er wechselte 1976 vom Südasien-Institut zum Hygiene-Institut der Universität Heidelberg und leitete dort bis 1997 als Direktor die Abteilung Parasitologie, der heutigen Parasitology Unit des Zentrums für Infektiologie. Sein Forschungsinteresse galt insbesondere intestinalen Wurmerkrankungen des globalen Südens. Verschiedene Forschungsreisen führten ihn in diesem Zusammenhang nach Äthiopien, Westafrika und Südostasien.

Gemeinsam mit dem Geographen Werner Fricke übernahm Erhard Hinz, nachdem die Gründungssprecher Ulrich Schweinfurth und Helmut Jusatz zurückgetreten waren, von 1983 bis 1995 als Sprecher die Leitung des AK für Medizinische Geographie und Geomedizin im Zentralverband der deutschen Geographen, vertrat damit als naturwissenschaftlicher Parasitologe die medizinische Seite des Arbeitskreises und führte die deutlich tropenmedizinisch orientierte Ausrichtung der deutschen Geomedizin fort.

Erhard Hinz verstarb am 21.12.2023 im Alter von 92 Jahren in Neckarsteinach bei Heidelberg.

Helmut Joachim Jusatz (1907 – 1991) studierte 1925-1930 Humanmedizin in Innsbruck, Marburg, Berlin, Prag und Jena. Nach seiner Promotion im Jahr 1931 an der Universität Marburg war er bis 1936 wissenschaftlicher Assistent am dortigen Hygiene-Institut und habilitierte sich 1935 für das Fachgebiet Hygiene und Bakteriologie.

Anschließend (1937-1945) arbeitete er an der Preußischen Landesanstalt für Wasser-, Boden- und Lufthygiene (seit 1942 Reichsanstalt für Wasser- und Luftgüte) in Berlin. Zugleich war er seit 1940 Dozent für Hygiene und Bakteriologie am Hygienischen Institut der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin. Dort begegnete er dem Hygieniker und Geomediziner Heinz Zeiss, Professor und stellvertretender Institutsdirektor (1931-1945), und arbeitete während des Weltkrieges in dessen Seuchenatlas-Projekt, das unveröffentlicht blieb. Im Rahmen seines Kriegsdienstes war er außerdem seit 1942 Dozent für Wehrhygiene an der Militärärztlichen Akademie. Dort traf er den Geomediziner Ernst Rodenwaldt, Ordinarius für Hygiene an der Universität Heidelberg, der das Institut für Tropenmedizin und Tropenhygiene der Militärärztlichen Akademie leitete.

Nach drei Jahren sowjetischer Kriegsgefangenschaft wurde er 1949 zum stellvertretenden Amtsarzt seiner Heimatstadt Gotha in der sowjetischen Besatzungszone ernannt. Die Begegnung mit dem Gothaer Kartographen Hermann Haack förderte sein wissenschaftliches Interesse für Zusammenhänge von Medizin und Geographie. Von Gotha folgte er 1951 dem inzwischen in der amerikanischen Besatzungszone ‚entnazifizierten‘ Ernst Rodenwaldt an die Universität Heidelberg. Jusatz wurde stellvertretender Leiter der Geomedizinische Forschungsstelle der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, die Rodenwaldt 1951 als Emeritus gegründet hatte. Nach dessen Tod übernahm Jusatz die Leitung der Forschungsstelle, die für drei Jahrzehnte (1965-1985) die deutschsprachige Medizinische Geographie prägen sollte.  Neben dem dreibändigen Welt-Seuchenatlas (1952-1961) entstanden in dieser Zeit Bände in der Reihe Medizinische Länderkunden. Anknüpfungspunkte zur Geographie beschränkten sich in dieser Zeit auf die Entwicklungsforschung.

Als außerplanmäßiger Professor war Jusatz 1957-1962 am Heidelberger Hygiene-Institut tätig, bevor er 1962 zum Extraordinarius und 1966-1975 zum Ordinarius für Tropenhygiene und zum Direktor des Instituts für Tropenhygiene und Öffentliches Gesundheitswesen am neu gegründeten Südasien-Institut der Universität berufen wurde. Dort konnte er seine Vorstellungen von medizinisch-geographischer Forschung umfassend etablieren. Ausgehend von dem geopolitisch, militärstrategisch und kolonialistisch orientierten Seuchenatlas-Projekt von Heinz Zeiss (1940-1944) entwickelte Jusatz in den 1960er- und 1970er-Jahren ein eigenes Konzept von „Geomedizin“. Bereits 1963 gestaltete Jusatz das Programm der ersten Nachkriegstagung der Deutschen Tropenmedizinischen Gesellschaft in Heidelberg ganz im Zeichen der auf Zeiss und Rodenwaldt zurückgehenden Geomedizin. Die Tagung firmierte als Symposium der Geomedizinischen Forschungsstelle.

Im Jahr 1972 initierte Jusatz gemeinsam mit dem Geographen Ulrich Schweinfurth den AK für Medizinische Geographie (seit 1982: Medizinische Geographie und Geomedizin) im Zentralverband der deutschen Geographen.

Neben seiner geomedizinischen Forschung war Jusatz auch in der Sozialmedizin und -hygiene aktiv. 1957 legte er in Hamburg das Examen für Staats- und Sozialmedizin (‚Amtsarztexamen‘) ab. Bereits 1955 war er Geschäftsführer der Gesundheitskommission der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen geworden. In den Jahren 1960-1968 war er Geschäftsführer der Baden-Württembergischen Gesellschaft für Sozialhygiene; 1962 gründete er das Institut für Sozial- und Arbeitsmedizin der Universität Heidelberg und war dort 1963-1975 Leiter der arbeits- und sozialhygienischen Abteilung.

Durch die Verbindung der Tropenhygiene mit Sozialhygiene und -medizin hat Jusatz den Grundstein einer neuen Richtung der Tropenhygiene gelegt. Forschungsreisen führten ihn in den 1960er und 1970er Jahren nach Ghana, Togo, Nigeria, Äthiopien, Kenia, Tansania, Libanon, Indien, Thailand, Afghanistan und Sri Lanka. Sein wissenschaftliches Oeuvre umfasst fast 300 Publikationen.

Helmut Joachim Jusatz starb 1991 im Alter von 84 Jahren in Wiesenbach bei Heidelberg.

Prof. Dr. rer. nat. Ulrich Schweinfurth (1925 – 2005) wurde am 06.02.1925 in Detmold (Lippe) geboren und wuchs in Görlitz und Dresden (Sachsen) auf. Nach Kriegsdienst und Kriegsgefangenschaft in England studierte er Geographie an den Universitäten Heidelberg (1948-1950) und Bonn (1950-1956).

Schweinfurth widmete sich hauptsächlich der Vegetationsgeographie und Landschaftsökologie. Er konzentrierte sich auf die Landschafts- und Länderkunde in den Forschungsgebieten Neuseeland, Tasmanien, Neuguinea und Südasien (Ceylon und den Himalaya)..

Er promovierte 1956 am Geographischen Institut der Universität Bonn bei Carl Troll mit der vegetationsgeographischen Arbeit „Horizontale und vertikale Verbreitung der Vegetation im Himalaya“. Während seiner Zeit als wissenschaftlicher Assistent (1956-1964) am Geographischen Institut der Universität Bonn habilitierte er sich 1963 mit der Arbeit „Neuseeland: Beobachtungen und Studien zur Pflanzengeographie und Ökologie der antipodischen Inselgruppe“.

Anschließend war er von 1964 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1993 als Professor für Geographie und Direktor des Instituts für Geographie am Südasien-Institut der Universität Heidelberg tätig und hatte dort einen der acht in den Jahren 1962-1964 an diesem Regionalinstitut eingerichteten Lehrstühle (Ethnologie, Entwicklungsökonomie, Geographie, Geschichte, Indologie, Internationale Entwicklungs- und Agrarpolitik, Politische Wissenschaften, Tropenhygiene und öffentliches Gesundheitswesen) inne.

Am Südasien-Institut begegnete er dem Tropenhygieniker und Geomediziner Helmut Jusatz, der bis 1982 das dortige Institut für Tropenhygiene und Öffentliches Gesundheitswesen leitete. Die Zusammenarbeit mit Jusatz brachte Schweinfurth über seine ökologischen Interessen zur Medizinischen Geographie, mit der er sich in den letzten Jahren seiner Institutstätigkeit besonders eingehend befasste. Am Beispiel der Malaria auf Ceylon beschrieb Schweinfurth (1974) den bedeutsamen Beitrag, der alle Geofaktoren umfassenden Geoökologie zur medizinisch-geographischen Forschung und brachte damit seine spezifisch landschaftsökologische Perspektive in den medizinisch-geographischen Diskurs ein. In dieser Hinsicht zeigt sich große Übereinstimmung mit Jusatz, der sich bereits 1958 zur Bedeutung der landschaftsökologischen Analyse für die geographisch-medizinische Forschung geäußert hatte.

Mit Jusatz und der Geomedizinischen Forschungsstelle der Heidelberger Akademie der Wissenschaften hatte Schweinfurth zweifellos bereits in seiner Bonner Zeit eine gewisse Berührung durch seinen Doktorvater Carl Troll, der zu verschiedenen Anlässen mit Jusatz korrespondiert hatte und den von diesem mit herausgegebenen Weltseuchenatlas (1952-1961) im Jahr 1953 in der „Erdkunde“ als „Markstein in der Geschichte der Medizinischen Geographie“ besprochen und gewürdigt hatte, als der erste Band erschienen war. Auch sein Bonner Kollege am Troll-Lehrstuhl Karlheinz Paffen berücksichtigte die Geomedizin in seiner Übersichtsarbeit zu „Stellung und Bedeutung der physischen Anthropogeographie“ (1959).

Ulrich Schweinfurth gehörte zum Herausgeberstab für eine Serie Medizinischer Länderkunden (Geomedical Monograph Series), die als Schriftenreihe der Heidelberger Akademie der Wissenschaften von Ernst Rodenwaldt begründet wurde. Diese Reihe wurde von 1967 bis 1980 in sechs Bänden veröffentlicht und behandelte die Länder Libyen, Afghanistan, Kuwait, Äthiopien, Kenia und Korea.

Gemeinsam mit Helmut Jusatz gründete Ulrich Schweinfurth im Jahr 1972 den AK für Medizinische Geographie, der 1982 in AK für Medizinische Geographie und Geomedizin umbenannt wurde,  im Zentralverband der deutschen Geographen und stand als Sprecher dieses Arbeitskreises viele Jahre für die Verbindung der Geomedizin zur deutschsprachigen Geographie.

Ulrich Schweinfurth starb 08.04.2005 im Alter von 80 Jahren in Heidelberg.